Viele Menschen entsorgen ihre ausgedienten Kleidungsstücke mit gutem Gewissen in Altkleidercontainern. In Deutschland sind das pro Person jährlich rund 40 Teile. Es wird oft behauptet, man würde damit Bedürftigen in Afrika Gutes tun. In Wirklichkeit wird jedoch ein großer Teil der Kleidung verkauft, und der Rest richtet in Afrika eher Schaden an. gemeinsam-fuer-afrika.de
- Wohin wandern gespendete Altkleider wirklich?
Nur ein kleiner Teil der Kleidung aus deutschen Containern erreicht tatsächlich Hilfsbedürftige. Schätzungen zufolge sind es nur etwa 10%. Der Großteil wird an professionelle Verwertungsfirmen verkauft, da gemeinnützige Organisationen die enormen Mengen nicht selbst verteilen können. gemeinsam-fuer-afrika.de
Das Deutsche Rote Kreuz generiert beispielsweise jährlich etwa 13,5 Millionen Euro durch den Verkauf überschüssiger Kleiderspenden. Während viele Spender glauben, ihre Kleidung würde kostenlos an Bedürftige weitergegeben, werden tatsächlich rund 90% der Inhalte von Containern weiterverkauft. verbraucherzentrale.de
- Sortierung nach Qualität
In großen Sortierzentren, oft in Ländern mit niedrigen Lohnkosten wie Osteuropa, werden die Textilien nach Wert und Zustand klassifiziert. Hochwertige, neuwertige oder Markenkleidung, die sogenannte „Creme“ (nur ca. 5% der Ware), wird für den Weiterverkauf im Globalen Norden aussortiert und in Vintage-Läden, Secondhand-Shops in Westeuropa oder online teuer verkauft. info.recyclehero.de
- Export in den Globalen Süden
Die weniger hochwertige oder überschüssige Kleidung wird in große Ballen gepresst und in Entwicklungsländer exportiert – insbesondere nach Afrika, aber auch nach Asien oder den Nahen Osten.

Verheerende Auswirkungen der Altkleiderspenden in Afrika
- Umfang des Problems
Schätzungsweise ein Drittel der in Deutschland gesammelten Altkleider mit niedrigem Qualitätsgrad wird nach Afrika exportiert. Jährlich gelangen über 400.000 Tonnen getragene Kleidung aus aller Welt in afrikanische Häfen. Händler vor Ort müssen oft ganze Container oder Ballen „blind“ kaufen, ohne den Inhalt zuvor prüfen zu können. Viel der aussortierten Ware überschwemmt dann die afrikanischen Märkte, wobei ein erheblicher Teil unbrauchbar ist. welt-sichten.org
- Direkte Auswirkungen auf lokale Märkte
Etwa 40% der Kleidung, die beispielsweise in Ghanas Märkte gelangt, ist unverkäuflich – fleckig, zerrissen oder minderwertig. Diese unbrauchbaren Reste werden oft vor Ort verbrannt oder landen auf riesigen Müllhalden. Dies führt zu gravierenden Umweltproblemen durch Textilmüll und Schadstoffen in Böden, Gewässern und an Küsten. austrianfashion.net
- Wirtschaftliche und soziale Folgen
Die massenhaften Exporte von Altkleidern haben dramatische wirtschaftliche und soziale Folgen für viele afrikanische Länder. Was als großzügige Spende aus Europa gedacht ist, erweist sich vor Ort als Bumerang für die lokale Wirtschaft. Afrikanische Märkte werden mit billigen Second-Hand-Klamotten überschwemmt, was die Produktion heimischer Hersteller stark beeinträchtigt und oft unmöglich macht. gemeinsam-fuer-afrika.de
- Niedergang der lokalen Textilindustrie
In Ländern wie Ghana, Kenia und Tansania, die einst eigene Textil- und Bekleidungsfabriken besaßen, wurde die lokale Industrie durch die Importflut von Altkleidern seit den 1980er Jahren nahezu zerstört. In Kenia, das früher ein wichtiger Arbeitgeber in der Bekleidungsbranche war, ist die Textilindustrie heute nahezu kollabiert. Das Land ist nun der größte Importeur von Gebrauchtkleidung in Afrika. Allein im Jahr 2021 wurden schätzungsweise über 900 Millionen gebrauchte Kleidungsstücke nach Kenia eingeführt, was lokale Betriebe weiter verdrängt hat.
Dauerhafte Abhängigkeit und deren Folgen für Afrika
- Wirtschaftliche Abhängigkeit
Die Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern wird zunehmend mit Bergen westlicher Billigkleidung versorgt, wodurch sich einheimische Hersteller kaum etablieren können. Selbst Basiskleidung ist gebraucht oft günstiger als neu produziert im Land. Lokale Schneider, Weber und Fabriken finden keine breite Kundschaft mehr, da die Importe einen Preisvorteil bieten.
- Ghana als Mahnbeispiel
In Ghana deckt Second-Hand mittlerweile einen Großteil des Bekleidungsbedarfs der Bevölkerung. Woche für Woche kommen etwa 15 Millionen getragene Kleidungsstücke in der Hauptstadt Accra an. Der zentrale Kantamanto-Markt in Accra, einst ein florierendes Zentrum für Wiederverkauf und Reparatur, wird nun mit unbewältigbaren Mengen an Ware überhäuft. Rund 40% der dort wöchentlich ankommenden Kleidung kann nicht weiterverkauft werden und endet als Abfall in der Stadt. welt-sichten.org

- Politische Gegenwehr
Einige afrikanische Regierungen haben die Problematik erkannt und versuchen, sich zu wehren. Zum Beispiel verhängte Nigeria um das Jahr 2000 ein Importverbot für Altkleider. Die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC), ein Bündnis von Ländern wie Kenia, Tansania, Uganda und Ruanda, kündigte 2016 an, Second-Hand-Kleidung schrittweise zu verbieten, um die eigene Textilindustrie zu schützen. Doch diese Initiative stieß auf Widerstand westlicher Exportnationen. Die USA drohten mit wirtschaftlichen Sanktionen, was die meisten Länder zum Einlenken brachte. Ruanda setzte jedoch 2019 ein vollständiges Altkleider-Verbot durch, trotz des Verlusts von Handelsprivilegien durch die USA. Uganda folgte 2022 mit einem eigenen Importstopp.
- Industrialisierung als Ausweg
Der erste Schritt in die Industrialisierung und damit in den Wohlstand für die Bevölkerung ist der Aufbau einer eigenen Textilindustrie, die mit geringen technischen Möglichkeiten und angelernten Arbeitskräften umgesetzt werden kann. Jedes unterentwickelte Land ist zunächst eine Zeit lang günstiger Zulieferer für den weltweiten Textilmarkt und entwickelt sich aus dieser Position heraus.
Fazit
Das Spenden von Altkleidung führt nicht zu Hilfe, sondern unterstützt ein System, das sich an der Not anderer bereichert und lokale Industrien zerstört.
Spenden Sie niemals Altkleidung!


