Ursachen der Unruhen
Nepal gehört zu den ärmsten Ländern Asiens. Die Wirtschaft stagniert, viele junge Menschen sehen kaum Perspektiven. Laut Schätzungen liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 20 %. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung verdient sein Geld im Ausland, Überweisungen von Gastarbeitern machen etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Gleichzeitig gelten Korruption und Vetternwirtschaft als allgegenwärtig. Die politische Elite führt ein Leben im Luxus, während Reformen seit Jahren blockiert sind.
Korruption, Regulierung und Machtmissbrauch
Die kommunistische Regierung unter K. P. Sharma Oli hielt das Land über Jahre hinweg durch staatliche Regulierung und wirtschaftliche Steuerung in permanenter Armut. Zugleich stand sie im Ruf, tief in Korruption verstrickt zu sein. Führungspositionen in Verwaltung und staatlichen Betrieben wurden nach Parteibuch oder Familienzugehörigkeit vergeben. Großprojekte wie Straßen- und Staudammbauten galten als Vehikel für Kickbacks und Bestechungszahlungen. Schon während der Corona-Pandemie war die Regierung Oli wie viele Parlamentarier der Deutschen Regierung auch, in Skandale um überteuerte Masken- und Medikamentenimporte verwickelt. Gleichzeitig pflegten Parteifunktionäre einen Lebensstil in Luxusautos und Hotels, während die Bevölkerung in Armut lebte. Nepal rangierte 2024 im Korruptionsindex von Transparency International mit nur rund 35 von 100 Punkten im unteren Drittel aller Staaten.
Das Social-Media-Verbot
Am 4. September 2025 griff die Regierung Oli zu einem drastischen Schritt: Sie ließ 26 große Internetplattformen sperren – darunter Facebook, WhatsApp, YouTube und X . Offiziell hieß es, die Anbieter hätten sich geweigert, eine Niederlassung in Nepal zu eröffnen. Regierungssprecher Gajendra Thakur erklärte, man habe die Firmen mehrfach aufgefordert – nach fünf Anläufen wisse man nun, „was zu tun ist“. Doch die Bevölkerung sah darin einen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Für Millionen Nepalesen im Ausland waren die Plattformen der einzige Kontakt zur Heimat. Besonders Nepals verstand das Verbot als Einschränkung der Meinungsfreiheit und staatliche Unterdrückung.
Viele Nepalesen vermuteten hinter den Forderungen der Regierung allerdings weniger den Schutz des Rechtsstaates als vielmehr ein Geschäftsmodell für die politische Elite. Wenn internationale Konzerne gezwungen würden, Niederlassungen in Nepal zu eröffnen, wären sie auch leichter greifbar für Steuern, Gebühren – oder inoffizielle Gefälligkeiten. Die Regierung Oli versuchte die Social Media Firmen in Ihr System von Patronage und Bestechung einzubinden um sich in kommunistischer Manier noch weiter zu bereichern.

Der Ausbruch der Proteste
Am 8. September 2025 gingen Zehntausende in Kathmandu auf die Straße, vor allem junge Menschen der Generation Z. Mit Slogans wie „Stoppt das Verbot, gebt uns eine Stimme“ forderten sie die Rücknahme der Social-Media-Blockade und ein Ende der Korruption. Als ein Teil der Menge versuchte, das Parlamentsgebäude zu stürmen, setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein. Schließlich eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer. Dabei wurden mindestens 19 Demonstranten getötet, Hunderte weitere verletzt.

Eskalation und Rücktritt
Am 9. September 2025 breiteten sich die Unruhen im ganzen Land aus. Die Regierung hob am Nachmittag zwar den Bann auf und Innenminister Ramesh Lekhak trat zurück Doch die Gewalt ließ nicht nach. In Kathmandu und anderen Städten brannten Regierungsgebäude, darunter Teile des Singha Durbar-Komplexes und das Parlament selbst. Unter massivem Druck aus der Bevölkerung trat Premierminister KP Sharma Oli zurück und zog sich in ein Armeelager zurück
Die Armee übernahm daraufhin die Kontrolle über die Hauptstadt. Ab dem 10. September richteten Soldaten Kontrollpunkte ein und patrouillierten in den Brennpunkten. Generalstabschef Ashok Raj Sigdel rief zur Ruhe auf. Etwa 27 Personen wurden wegen Brandstiftung und „anarchischer“ Aktivitäten festgenommen. Der Flughafen von Kathmandu wurde militärisch gesichert, um eine Flucht der politischen Führung zu verhindern.
Machtwechsel und Übergang
Bis zum 12. September 2025 hatten sich die Proteste weitgehend gelegt. Offiziellen Angaben zufolge kamen im Verlauf der Unruhen mindestens 51 Menschen ums Leben, darunter Demonstranten, Polizisten und auch Gefangene.
Am selben Tag setzte Präsident Ram Chandra Poudel eine Übergangsregierung ein. Zur Interimspremierministerin wurde Sushila Karki vereidigt, die frühere Oberste Richterin und erste Frau an der Spitze einer nepalesischen Regierung. Karki ist parteilos, gilt als korruptionskritisch und juristisch geprägt. Ihre Ernennung war ein Kompromiss zwischen Präsident, Militär und den Demonstranten, um eine neutrale Figur für den Übergang zu Neuwahlen einzusetzen.

Damit endete die Herrschaft der kommunistischen CPN-UML-Regierung unter Oli. An ihre Stelle trat eine parteiunabhängige Übergangsführung, deren Aufgabe nun darin besteht, Stabilität herzustellen und den Weg zu neuen Wahlen freizumachen.

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