Die deutsche Politik hat sich in den letzten 20 Jahren stark ideologisiert. Die politische Diskussion ist vielfach von der Sachebene auf die Metaebene ausgewichen. Will man heute jemanden der Unmenschlichkeit bezichtigen, werden Hitler und die NSDAP wie gruselige Springteufel bei jeder Gelegenheit aus der Tasche gezogen.
Im Rahmen dessen hat sich in letzter Zeit eine Diskussion entwickelt, dass Hitler doch gar nicht rechts, sondern eigentlich ein Sozialist – und damit links – gewesen sei. Die Linken weisen dies empört von sich.
Also sehen wir uns die Sache sachlich und Schritt für Schritt an:
War Hitler ein linker Sozialist?
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war dem Namen nach eine typische sozialistische Arbeiterpartei. Auch Adolf Hitler selbst bezeichnete sich in Reden mehrfach ausdrücklich als Sozialist. Bereits im Parteiprogramm von 1920 heißt es zentral: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“.
Ein bekanntes Zitat aus einer Rede von 1922 in München:
„Wir sind Sozialisten, wir sind Feinde des heutigen kapitalistischen Wirtschaftssystems.“
Ein bekanntes Zitat aus einer Rede von 1927:
„Ich bin kein Demokrat, ich bin ein Sozialist.“
Und 1941 erklärte er laut überlieferter Aufzeichnung:
„Wer bei uns an Privateigentum denkt, denkt nicht wie ein Sozialist. […] Sozialismus ist nichts anderes als Gemeinnutz vor Eigennutz.“
Doch ergibt sich aus diesen Selbstzuschreibungen auch eine tatsächliche wirtschaftspolitische Übereinstimmung mit dem, was man unter Sozialismus versteht?

Vorgehen dieser Analyse
Diese Analyse beantwortet die Frage, ob die Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches als sozialistisch einzustufen ist. Sie bezieht sich ausschließlich auf wirtschaftswissenschaftlich-politologische Kriterien und verzichtet auf moralische, rassentheoretische oder ideologisch motivierte Nebenargumente.
- Ausgangspunkt: Parlamentarische Einteilung als Analysemodell
Traditionell wird politische Programmatik anhand einer Sitzordnung im Parlament eingeordnet:
| Richtung | Grundhaltung zum Staat und zur Wirtschaft | Typische Zielsetzung |
| Links | Staat soll stark eingreifen, Eigentum einschränken | Gleichheit, soziale Umverteilung |
| Mitte | Staat soll ausgleichen und regulieren | Ordnung, Stabilität, soziale Marktwirtschaft |
| Rechts | Staat soll sich zurückhalten, Eigentum schützen | Freiheit, Eigenverantwortung, Markt |
Diese Einteilung ist ein geeignetes Modell, um wirtschaftspolitische Positionen auch historisch vergleichbar zu machen.
- Definition: Kriterien einer sozialistischen Wirtschaftspolitik
Wirtschaftlich-politisch gilt ein Staat als sozialistisch, wenn er wesentliche Elemente folgender Merkmale erfüllt. Dabei ist zwischen Sozialismus und Kommunismus zu unterscheiden:
Sozialismus (ökonomisch definiert):
- Teilweise oder vollständige Verstaatlichung zentraler Wirtschaftsbereiche (z. B. Energie, Banken, Infrastruktur).
- Starke staatliche Lenkung: Der Staat greift planend oder steuernd in Produktion, Preise, Löhne oder Verteilung ein.
- Ziel: soziale Ausgleichspolitik durch Umverteilung, Lohnangleichung, Steuerprogression.
- Begrenzung des Gewinnprinzips zugunsten des Gemeinwohls.
Kommunismus (nach marxistisch-leninistischem Verständnis):
- Vollständige Vergesellschaftung aller Produktionsmittel (kein Privateigentum).
- Zentrale Planwirtschaft mit detaillierter staatlicher Steuerung aller wirtschaftlichen Prozesse.
- Klassenlose Gesellschaft als Endziel.
Für diese Untersuchung gelten die sozialistischen Merkmale als Maßstab, nicht kommunistische Maximalforderungen.
- Bewertbare Teilbereiche wirtschaftspolitischer Praxis
Im Folgenden werden die wichtigsten Teilbereiche der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik identifiziert, um sie anhand des oben genannten Modells den Richtungen Links, Mitte oder Rechts prozentual zuzuordnen:
3.1. Eigentumsverhältnisse / Verstaatlichung
Analyse:
- Industrie: Die meisten Großkonzerne (Krupp, IG Farben, Siemens) blieben privat. Eine Ausnahme bildeten die Reichswerke Hermann Göring, gegründet 1937, ein staatlicher Großkonzern für Stahl, Erz und Rüstung.
- Rohstoffgewinnung: Strategische Rohstoffe wie Erz, Kohle und synthetische Treibstoffe unterlagen verstärkter staatlicher Kontrolle, teils über Staatsunternehmen, teils durch enge Lenkung privater Konzerne.
- Transportwesen: Die Reichsbahn war vollständig staatlich und wurde im NS-Regime weiter ausgebaut.
- Post- und Fernmeldewesen: Die Reichspost war ein staatliches Monopolbetrieb.
- Infrastruktur: Planung, Finanzierung und Umsetzung (z. B. Autobahnbau) lagen vollständig beim Staat.
- Banken: Blieben größtenteils in privater Hand aber es gab Teilverstaatlichungen. Es gab aber keine systematische Verstaatlichung, nur punktuelle Eingriffe über Kontrolle und Regulation.
Einordnung (geschätzt):
- Links: 40 %
- Mitte: 45 %
- Rechts: 15 %
Begründung: In mehreren Kernbereichen – insbesondere Transport, Kommunikation und strategischer Rohstoffversorgung – bestand eine klare staatliche Eigentumsstruktur. Gleichzeitig blieb die Großindustrie und das Bankwesen mehrheitlich privat. Damit lässt sich eine teils sozialistisch anmutende Struktur feststellen, die jedoch durch das Fehlen eines egalitären oder klassenorientierten Ansatzes begrenzt ist. Die punktuelle Verstaatlichung zentraler Industrien stellt eine Annäherung an sozialistische Praxis dar, bleibt aber funktional begrenzt und ohne ideologisches Ziel der Gleichverteilung. Das Eigentum blieb mehrheitlich privat, daher überwiegt der Charakter einer gelenkten Marktwirtschaft mit autoritärer Komponente.
3.2. Staatliche Lenkung von Produktion und Planung
Analyse:
- Mit dem Vierjahresplan ab 1936 wurde die gesamte Wirtschaftslenkung auf das Ziel der Kriegsfähigkeit innerhalb von vier Jahren ausgerichtet.
- Die Produktion von Stahl, Treibstoffen, Sprengstoffen, Fahrzeugen und synthetischen Ersatzstoffen wurde staatlich priorisiert und über zentrale Stellen organisiert.
- Unternehmen blieben formal privat, erhielten jedoch staatliche Produktionsvorgaben und Auflagen.
- Rohstoffe wurden zentral zugeteilt, Export und Import unterlagen Devisenbewirtschaftung und Kontingentierung.
- Besonders in der Rüstungsindustrie bestimmte der Staat, was, wie viel und wann produziert wurde – über sogenannte „Rüstungsinspektionen“.
- Freie Produktionsentscheidung war in großen Teilen der Industrie faktisch aufgehoben.
- Auch Einzelhändler, Handwerksbetriebe und Dienstleister unterlagen von Beginn des dritten Reiches an, umfangreicher staatlicher Kontrolle: Preise, Löhne, Rohstoffzuteilung und Öffnungszeiten wurden zentral geregelt.
Einordnung (geschätzt):
- Links: 60 %
- Mitte: 30 %
- Rechts: 10 %
Begründung:
Die Eingriffe in Produktion und Mengenverteilung hatten klar dirigistischen Charakter. Sie dienten anfangs einer sozialen Steuerung, später der militärischen Mobilmachung. Die Produktionsmittel blieben privat, doch faktisch verlor die Industrie weitgehend ihre Handlungsfreiheit. Damit überwiegen staatliche Steuerungsmechanismen mit in Teilen aber nicht ausschließlich sozialistischer Zielsetzung.

3.3. Lohn- und Preisregulierung
Analyse:
- Löhne wurden gesetzlich eingefroren. Freie Tarifverhandlungen gab es nicht.
- Streiks waren verboten, Arbeitskonflikte wurden unterdrückt.
- Preise wurden flächendeckend reguliert – von Grundnahrungsmitteln bis zu Industriewaren.
- Zwangspreise und Preisüberwachungsstellen kontrollierten bis auf Handelsebene.
- Im Krieg kam es zur Zuteilung, Kontingentierung und zentraler Bewirtschaftung.
- Es gab keine Umverteilung oder Lohnangleichung, sondern Stabilisierung im Sinne des Staatsinteresses.
Einordnung (geschätzt):
- Links: 100 %
- Mitte: 0 %
- Rechts: 0 %
Begründung:
Die vollständige staatliche Kontrolle über Löhne, Preise, Mengen und Verfügbarkeit entspricht eindeutig den Methoden sozialistischer Steuerung. Obwohl keine soziale Gleichmacherei angestrebt wurde, wurde das Marktprinzip faktisch abgeschafft. Die Regulierung war total, autoritär und zentralistisch – klassisch links im ökonomischen Sinn. Die Eingriffe betrafen nicht nur Großindustrie und Rüstungsbetriebe, sondern auch den kleinteiligen Wirtschaftssektor. Die staatliche Kontrolle reichte bis zu Ladenöffnungszeiten, Preisauszeichnung und Materialverwendung. Auch wenn kein sozialer Ausgleich angestrebt wurde, entspricht das Ausmaß der Eingriffe in vielen Punkten dem Werkzeugkasten staatlich gelenkter Wirtschaftsmodelle. in Produktion und Mengenverteilung hatten klar dirigistischen Charakter. Die Produktionsmittel blieben privat, doch faktisch verlor Industrie und Handel weitgehend ihre wirtschaftliche Freiheit.
3.4. Steuerpolitik und Umverteilung
Analyse:
- Die Einkommenssteuer war formal progressiv, aber faktisch blieb sie für hohe Einkommen vergleichsweise günstig – vor allem durch zahlreiche Ausnahmetatbestände und politische Rücksichtnahme. Es gab keine Vermögenssteuer, keine gezielte Besteuerung von Reichtum. Unternehmer und Großvermögen wurden nicht systematisch stärker belastet, sondern in Kriegswirtschaft und Rüstung gezielt gefördert.
- Neben der Steuerpolitik fanden nicht-monetäre Umverteilungen in Form staatlich organisierter Leistungen statt, z. B. durch „Kraft durch Freude“ (KdF), das Urlaubs-, Kultur- und Freizeitangebote für Arbeiter bereitstellte, sowie Programme wie den „KdF-Wagen“ (Volkswagen), mit dem Konsumgüter für breite Schichten verfügbar gemacht werden sollten. Finanzierung erfolgte durch staatliche Mittel und Zwangsabgaben – eine klassische Form sozialistischer Sachumverteilung.
- Die Enteignung jüdischer Bürger, Unternehmer, Ladenbesitzer, Grundbesitzer, Vermieter und Bankiers war umfassend. Es wurde Kapital, Immobilien, Firmen, Konten und Sachvermögen konfisziert oder zwangsverkauft – und floss direkt in den Staatsapparat oder an politische Nutznießer. Die Enteignung jüdischer Bürger brachte dem NS-Staat insgesamt rund 8 bis 10 Milliarden Reichsmark ein – etwa das Doppelte der jährlichen Steuereinnahmen von rund 4 Milliarden Reichsmark (Stand 1938). Der Staat finanzierte sich somit in erheblichem Umfang durch Enteignung; die fiskalische Bedeutung dieser Maßnahmen übertraf die regulären Steuereinnahmen bei Weitem.
Einordnung:
- Links: 70 %
- Mitte: 20 %
- Rechts: 10 %
Begründung:
Durch die massenhafte Enteignung von Eigentum, Kapital und Produktionsmitteln ganzer Bevölkerungsgruppen wurde realwirtschaftlich eine zentrale Maßnahme sozialistischer Prägung umgesetzt – ungeachtet des Motivs. Die Steuerpolitik selbst war nicht auf Umverteilung angelegt, aber der Staat griff faktisch tief in Eigentumsverhältnisse ein und leitete Vermögen um. Das ist ein objektiv starkes sozialistisches Merkmal, unabhängig von der politischen oder moralischen Begründung.
Monetäre Umverteilung über Steuern blieb jedoch aus.
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Aktualisierte Zusammenfassung der bisherigen Analyse anhand der Kriterien:
| Kriterium | Erfüllung im NS-Staat | Bewertung (Links) |
| Eigentumsverhältnisse / Verstaatlichung | Zentrale Infrastruktur wie Bahn, Post und Autobahnen war vollständig verstaatlicht. Großindustrie und Banken blieben überwiegend in privater Hand. | 40 % |
| Staatliche Lenkung von Produktion und Planung | Die Industrie unterlag faktisch vollständiger staatlicher Produktionssteuerung, obwohl formales Eigentum unangetastet blieb. Auch Handwerk und Handel wurden gelenkt. | 60 % |
| Lohn- und Preisregulierung | Der Staat setzte Löhne und Preise flächendeckend fest, verbot Tarifverhandlungen und kontrollierte Arbeitskosten vollständig. Eine Gleichmachung fand dabei nicht statt. | 100 % |
| Steuerpolitik und Umverteilung | Es gab keine progressive Umverteilung per Steuersystem, aber Sachleistungen wie Urlaubsprogramme und massive Enteignungen jüdischer Vermögen zur Staatsfinanzierung. | 70 % |

Abschluss
Die Definition eines sozialistischen Staates muss im Großen und Ganzen nicht mehr diskutiert werden. Die Selbstbeschreibung der Partei und auch Hitlers in seinen Reden über lange Zeiträume hinweg ist eindeutig. Die Bewertung der einzelnen Kriterien, wie sie hier in diesem Artikel durchgeführt wurde, ist natürlich zur Diskussion offen und kann in die eine oder andere Richtung gewichtet werden.
Das Gesamtbild der Wirtschaftspolitik der NSDAP ist aber so deutlich links-sozialistisch gerichtet, dass man davon ausgehen muss, dass Hitler und die Partei vorhatten, Deutschland zu einem vollständig oder größtenteils sozialistischen Staat umzubauen – und das auch getan hätten, wenn der Krieg nicht dazwischengekommen wäre.
Insgesamt kann man die Programmatik wie folgt einschätzen: Hitlers Politik hatte sehr große Schnittmengen mit der Linkspartei und den Grünen, große mit der SPD und immer noch einige mit der CDU – mit der FDP und der AfD praktisch keine.
War Hitler also Sozialist?
Unbestreitlich war er ein Sozialist und auf dem Weg, Deutschland in einen nationalsozialistischen Staat umzubauen. Dass dies bis Kriegsbeginn nach sechs Jahren nur zum Teil abgeschlossen war und ab dann auf Kriegswirtschaft umgestellt werden musste, widerspricht der offensichtlich sozialistischen Richtung seiner Politik nicht.
Und in welcher Partei würde er sich heute zu Hause fühlen?
Mit all seiner Regulierungswut, Steuerungs- und Verbotspolitik, Kriegsgeilheit, seinem Hang zum Drogenmissbrauch und Esoterikglauben? – gäbe es die „Nationalgrünen“, wäre Hitler nach einer Woche deren Vorsitzender.
Mit der FDP und der AfD gäbe es keinerlei Schnittmengen.


